… Patienten-fürsprecher ?

Es gibt nicht wenige Menschen, die können mit dem Begriff Patientenfürsprecher nicht viel anfangen. Zugegeben, ich gehörte auch dazu.

Natürlich wusste ich, dass eine Fürsprache eine Bemühung zugunsten einer anderen Person ist. Will zum Beispiel mein Vermieter meinen Nachbarn vor die Tür setzen und ich möchte diesem in seiner Not helfen, so kann ich, wenn ich den Vermieter gut kenne und ein Standing bei ihm habe, Fürsprache für meinen Nachbarn halten. Dann bin ich sozusagen der Fürsprecher für ihn.

Und so gibt es Patienten, die ein besonderes Anliegen haben, für das sie jemanden benötigen, der das für sie zum Beispiel beim Arzt oder einer Behörde vorträgt. Manchmal geht es nur um Missverständnisse, Fehlinterpretationen oder Nicht-Verstehen von Therapien und Maßnahmen. Manchmal aber auch um handfeste Interessengegensätze. Ärzte haben wenig Zeit, Pfleger sind oft überfordert – und dann steht man da mit einer Diagnose samt Therapie, die man nicht versteht, ja vielleicht auch gar nicht haben möchte. Besonders, wenn man schwer erkrankt ist, können einem die Dinge über den Kopf wachsen und wie meterhohe Wellen über einem zusammen brechen. Da kann es hilfreich sein, sich an jemanden zu wenden, der für einen das Durcheinander etwas ordnet und es auch wirklich gut mit einem meint.

Hin und wieder geht es schlichtweg darum, dass man glaubt, nicht genügend Geld oder Leistungen von einer Behörde zu erhalten. Man selbst die Dinge ganz anders sieht als der Sachbearbeiter. Wenn Recht und Gerechtigkeit offensichtlich auseinander klaffen. Die Wut hochkommt und man nicht weiter weiß. Dann ist es vielleicht gut, sich an den Patientenfürsprecher zu wenden.

Denn für sich selbst einzustehen, fällt nicht immer leicht. Es verlassen einen vielleicht Mut und Zutrauen. Manche haben es aber schon oft selbst versucht, sind immer wieder gescheitert und brauchen nun Hilfe.

Es müssen aber nicht ausschließlich Patienten sein, die sich an Patientenfürsprecher wenden. Genausogut suchen Angehörige Rat, Beistand oder Fürsprache. Denn Angehörige haben es oft besonders schwer, weil sie zwar nicht krank, aber dennoch betroffen sind. Sie werden mitunter nur nicht als Betroffene anerkannt. Aus Untersuchungen weiß man, dass sie oft eher als nervig und störend wahrgenommen werden.

Für all das und noch viel mehr gibt es eben Patientenfürsprecher. Ehrenamtliche, die meist aus dem Berufsleben ausgeschieden, aber mit Erfahrung ausgestattet sind. Solche, die das Leben gelebt und manchmal selbst auch Probleme bewältigt haben. Die zuhören können und unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen, Probleme anderer zu erkennen, ernst zu nehmen und sich gemeinsam mit ihnen um Lösungen bemühen.

Patientenfürsprecher sind unabhängig und nicht weisungsgebunden. Der einzige, dem sie verpflichtet sind, ist der Patient, der sich an sie wendet. Sie sind (und dürfen es nicht sein) keine Rechtsberater, keine Therapeuten, keine Seelsorger, sondern lediglich Menschen mit geeignetem Hintergrund.

Und auch für psychisch erkrankte Patienten gibt es speziell ‘Patientenfürsprecher für psychisch Erkrankte’.

Doch woher bekommt man den Kontakt? Nun, eigentlich sollte in jeder psychiatrischen Klinik, auf jeder Station, in jeder psychologischen oder psychiatrischen Praxis, in jedem Büro eines damit beschäftigten Behörden-Mitarbeiters ein Hinweis auf die oder den zuständige/n Patientenfürsprecher/in einfach zu finden sein.

Das ist leider noch nicht überall der Fall. Aber wir arbeiten daran.

PsychKHG – rechtliche Kontexte zum Patientenfürsprecher