Liebe Leserinnen, … (Auswahl aus 2007-2017)

Wir erkennen, was wir verstehen
Sinn ist die Ordnungsform menschlichen Erlebens. Was für uns nicht sinnhaft verknüpft ist , sehen wir im Grunde nicht. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns fortbilden. Unsere redaktionelle Aufgabe war es dabei, aus der Welt des Sehens qualifiziert das zu berichten, das den Horizont unserer Leser erweitern konnte, damit sie mehr Chancen auf Teilhabe haben, wenn es um ihre Gesundheit geht. (Ausgabe 1 / 2007)

Sich selbst die Welt erobern
“Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muß anders werden, wenn es gut werden soll.” Das erkannt Georg Christoph Lichtenberg in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Eine motivierender Aphorismus. Das zeigte der 1. Wangener Sehtag und die Geschichte von Ralf Caspart, der sich den aufrechten Gang zurück eroberte. (Ausgabe 2 / 2007)

Irgendwann stecken wir uns selbst in den Entwerter
Die Welt individualisiert. Soziale Moleküle brechen auseinander; übrig bleibt eine Masse von Einzelinteressen, die alles nur auf das “was-mir-wichtig-ist” herunter brechen. Als ich ins Allgäu zog 2002, las ich in der Schwäbischen Zeitung einen Leserbrief, der mit folgendem Satz endete: “Irgendwann stecken wir uns alle selbst in den Entwerter!” Alles soll billig sein, Geiz ist geil, und alles nur für mich. Alte Strukturen auch in der Medizin verschwinden, weil diese Form der Ökonomisierung von Welt überall Einzug hält. (Ausgabe 2 / 2007)

Nicht allein sein, wenn die Bilder der Ängste kommen
Als Gerald Hüther das Buch “Die Macht der inneren Bilder” herausgab, war ich sehr beeindruckt. Und doch wissen wir, dass wir diese Bilder in uns selbst erschaffen. Gerade Ängste lassen sehr bedrückende in uns entstehen, die uns nicht selten niederdrücken. Und viele Menschen sind sehr alleine und haben niemanden, der mit ihnen diese die Welt verzerrenden Bilder wieder gerade rückt. (Ausgabe 4 / 2007)

Ärzte sind Menschen, die meistens für uns da sind
In den vielen Jahren arbeitete ich intensiv mit besonderen Augenärzten zusammen. Oft am späten Abend. Wenn andere auf der Couch saßen und fern sahen. Und diese Ärzte hatten allesamt auch Familie, Privatleben und engagierten sie trotzdem und schenkten mir viel Zeit. Dafür war ich stets dankbar – und drückte es hin und wieder ganz im Heft aus. (Ausgabe 1 / 2008)

Das Leben – ein unaufhörlicher Prozess der Veränderung
Das Alter ist kein plötzliches Ereignis ähnlich einer Tür, die man durchschreitet – auf der einen Seite steht ein Mensch „in den besten Jahren“, auf der anderen Seite ein greiser Mensch. Aber viele von uns haben nicht nur Angst vor dem Altern selbst, sondern auch das zu zeigen. Die ewig verzögerte Lesebrille ist ein Indiz dafür. (Ausgabe 2 / 2008)

Beeindruckende ärztliche Ethik
Ende 2008 fand ich auf meinem Schreibtisch eine sechs Jahre alte Notiz über den SARS-Tod des italienischen Arztes Carlo Urbani. Sie erinnern sich: die Lungen-Infektionskrankheit, die erstmals im November 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong beobachtet wurde und die Welt in Angst und Schrecken versetzte. Kennen Sie einen Beruf, der moralisch so geschnürt ist? Der Arzt Urbani floh nicht, sondern setzte sich beim Helfen der Gefahr des eigenen Todes aus. Während wir im Aufzug bei einer Grippewelle die Luft anhalten und ständig fürchten, uns anzustecken, geht diese Berufsgruppe auf die infizierten Kranken zu. (Ausgabe 4 / 2008)

Die Zeit der Unzufriedenheit und der Drohungen
Viele Ärzte wollten zu dieser Zeit die Krankenkassenzulassung zurückgeben und in den Privatsektor wechseln. Augenärzte behandelten Patienten für 23 Euro im Quartal und forderten 35 – und hofften, den Kassenpatienten mit ins Protest-Boot zu bekommen. Ein Interview mit dem damaligen Landesvorsitzenden in Schleswig-Holstein. (Ausgabe 1 / 2009)

Burnout in Pflege- und Heilberufen
Als das Thema „Schweinegrippe“ die Medien in Atem hielt, dachte ich darüber nach, wie wenig wir davon wissen, was in den Herzen der Krankenschwestern und Ärzte vor sich geht. Haben die nicht auch Sorgen und Ängste – wie wir alle? Auch sie haben Eltern, Kinder, Ver- wandte und Freunde. Und indem sie helfen, werden sie selbst zu Risikopersonen für eine Ansteckung. Aber wie selbstverständlich erwarten wir, dass sie uns immer helfen. Wieso eigentlich? (Ausgabe 2 / 2009)

Subsidiaritätsprinzip – Wer zahlt für unsere Oma?
Irgendwann hatte ich beim Philosophen Khalil Gibran gelesen, man solle täglich drei Brote kaufen. Eines für sich, eines für die Kinder und eines für die Eltern. Das Letztere sei quasi das, was man früher von seinen Eltern erhalten habe. Würden wir das so handhaben, könnten viel mehr alte Menschen teilhaben an dem technischen Fortschritt jenseits der Krankenkassenleistungen, der in der Medizin stattgefunden hat. (Ausgabe 3 / 2009)

Weg mit dem Ballast. Runter mit den Pfunden
Jetzt steigern die Frauen- und Gesundheitszeitschriften ihre Auflage, jede mit ihrem eigenen Fett-weg-Programm. Wem das zu wenig ist, dem bieten die Redaktionen mit der Besinnung auf die vorösterliche Fastenzeit eine Brücke zum Spirituellen. So sollen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: körperlich straffer werden und mental geläutert. Wollen wir nicht alle wieder ein wenig mehr sexy sein? Steckt doch schließlich in einem schönen Körper ein schöner Geist. Ich weiß, es heißt hier eigentlich gesund; aber gehören beide heute nicht untrennbar zusammen? (Ausgabe 1 / 2010)

Es reicht
Kliniken werden geschlossen, Gesundheitspersonal schlecht bezahlt und Krankenkassen stehen vor dem Aus. Was ist los – wieso fehlt hier das Geld? Für Afghanistan, Griechenland und die Rettung des Finanzsystem ist es da. Das Geld fliegt wie aus einer Zentrifuge geschleudert über die Grenzen unseres Gemeinwesens hinaus – und innen drin kappen wir unsere eigenen Lebensadern und unsere Vitalität. Wir bluten und wringen den letzten Euro aus uns heraus. Die Regierung unseres Nachbarn Frankreich versucht die Bevölkerung dafür zu erwärmen, die Rente ab 62 zu akzeptieren, bei uns diktiert die Politik, demnächst bis 67 arbeiten zu müssen. (Ausgabe 2 / 2010)

Brillen als Stigma?
2010 kam meine Tochter mit einer Fotostory aus einem Girl-Magazin zu mir. Sie war überaus wütend. Die Geschichte handelte von einem Mädchen im Alter von 13 Jahren, das sich in einen Jungen verliebt hatte. Der aber hatte überhaupt keine Augen für sie. Es stellte sich auch schnell heraus, warum. Das Mädchen trug Brille, Parka und war zudem noch ungeschminkt. Keine Chance. (Ausgabe 1 / 2011)

Treu sein über die Zeit hinweg?
Identität leitet sich ab aus dem lateinischen idem, das „derselbe“, „dasselbe“ oder „der nämliche“ bezeichnet. Wenn ich mein Gesicht heute morgen im Spiegel mit dem auf den Fotografien noch vor zehn Jahren vergleiche, dann bin ich nicht mehr derselbe. Ich habe mich verändert. Aber innerlich doch nicht, versuche ich dagegen zu halten. Zum Relaunch des Magazins. (Ausgabe 2 / 2011)

Unmenschlich werden
In China wurde jüngst ein zweijähriges Kind überfahren. Seine Eltern hatten kurz nicht aufgepasst und da war es auch schon auf die Straße gelaufen. Es wurde von zwei Autos erfasst, blieb schwer verletzt und blutend liegen. Die Autos fuhren weiter. Man mag es nicht glauben. Doch es kommt noch schlimmer. 18 Passanten gingen vorbei und ließen das Kind liegen. Erst die 19., eine mittelose Müllsammlerin, nahm das Kind auf und brachte es in Sicherheit. Diese offensichtliche Verrohung lässt ganz China plötzlich erschrocken diskutieren. Wie konnte es dazu kommen? (Ausgabe 3 / 2011).
Dieser Leitartikel wurde den Unterrichtsmaterialien für den evangelischen Religionsunterricht „Die Sinngebung menschlichen Daseins“ (Beck-Verlag) aufgenommen.

Jeder 4. gefährdet uns
3.648 Menschen starben 2010 auf Deutschlands Straßen. Hinzu kamen 62.620 Schwer- und 308.550 Leichtverletzte. Ich möchte nicht wissen, wie viele Unfälle geschahen, weil daran Beteiligte nicht ausreichend sehen konnten. Übermüdung oder leichte Angetrunkenheit gepaart mit schlechtem Sehen ist eine gefährliche Mischung. (Ausgabe 1 / 2012)

Kraft durch Gedichte von Hesse
Mir persönlich geben gute Gedanken Kraft. Besonders dann, wenn manchmal manches so düster erscheint – ob durch Krankheit, Schicksalsschläge oder ob der politischen und finanziellen Unsicherheiten derzeit überall. Dann fühle ich, dass es einen Sinn haben muss, mit seinem Tag- werk unbeirrt fortzufahren, ob als Selbstständiger, Angestellter, Künstler oder Pensionär. Weil die Natur, ja das Leben an sich nicht und nie aufhört und stets weiterwirkt in ihrem Tun – egal, was passiert. (Ausgabe 2 / 2012)

Sind wir Tauben?
Obwohl alle Anbieter uns mit Namen anschreiben, sind wir im Internet kein Mensch mehr. Letzlich sind Sie dort nichts anderes als das Profil eines Konsumenten mit Vorlieben. Ein Kaufautomat. Denn es wirkt, was der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in seinem jüngsten Buch „Ego – Spiel des Lebens“ beschreibt. Wir werden konditioniert, wie der Verhaltensforscher Skinner es mit Tauben in der Blackbox getan hat. (Ausgabe 1 / 2013)

Die 1-Dollar-Brille
Martin Aufmuth traf auf ein Buch, das die bedrückenden Lebensverhältnisse auf dem schwarzen Kontinent beschrieb. Der Autor ging dabei auch auf die 150 Millionen Menschen ein, die in Afrika ohne Brille zurecht kommen müssen, weil sie keinen Zugang dazu haben. Er meinte, mit einer Brille, die einen Dollar kosten würde, könne man diese Misere beheben. Als Aufmuth das las, machte er sich daran, genau diese Ein-Dollar-Brille zu verwirklichen. Und er hat es geschafft. (Ausgabe 2 / 2013)

Zuversicht im Frühling
Geht es Ihnen auch so? Den bisher fern gebliebenen Winter möchte
ich nun nicht mehr als spät kommenden Gast begrüßen müssen. Lange genug habe ich mit seinem Ausbleiben gehadert. Doch mit den ersten fröhlichen Vogelstimmen war das Warten auf weiße Pracht schlagartig vorbei. Als ich an einem Morgen im späten Februar das Gezwitscher und den wieder früher beginnenden Tag registrierte, durchflutete mich ein Gefühl der Zuversicht. Als wolle all das mir sagen: „Es wird gut werden!“ (Ausgabe 1 / 2014)

Schmied sein
„Kann man wirklich allen negativen Erfahrungen etwas Positives abge- winnen?“ Diese Frage stellte eine gewisse Mercy vor drei Jahren in einem Internetforum. Selbstverständlich, lautete der überwiegende Tenor der Antworten. Denn auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt würden, könne man Schönes bauen, wurde Goethe zitiert. Andere waren kritischer und schrieben, dem Tod eines Lebenspartners oder dem Durchleben einer schweren Krankheit könne man sicher nichts Positives abgewinnen. (Ausgabe 3 / 2014)

So viel Information, so wenig ….
Es ist wirklich manchmal zum Verzweifeln. Uns Menschen stehen so viele Informationen zur Verfügung – und trotzdem hakt es. Nicht nur beim Diabetes oder beim Grünen Star (Glaukom), sondern bei fast allen Vorsorgeangeboten auch anderer ärztlicher Fachgruppen. Ist es vielleicht so, dass der Aphorismus Recht hat, der sagt: Je größer die Insel des Wissens, desto größer der Strand der Verzweiflung?

Das wäre schön
Warum können die Filmhelden in Sekunden Lichtjahre überbrücken und ganze Welten retten? Warum können wir nicht im wirklichen Leben mal eben einen Grünen Star heilen? Weil das Leben kein Film ist, lautet die einfache Antwort. Für das Leben brauchen wir Geduld und vor allem zähe Forscher, die die Kraft und Ausdauer haben, am unspektakulären Kleinen zu arbeiten und auch mit Rückschlägen zu rechnen. (Ausgabe 4 / 2016)

Einfach nur genießen
Natürlich weiß ich um die Probleme der Klimaveränderung, von den Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño. Aber manchmal möchte ich einfach nur in der Sonne sitzen, alle Probleme vergessen, die täglich immer mehr auf uns einprasseln. Nur die Stunden genießen und sagen: „Das Leben kann schön sein!“ Wäre da nur nicht immer dieses lästige Niesen.

Komplex und kompliziert
Verlieren Sie nicht manchmal auch den Überblick? Mal lesen Sie von Studien, die behaupten, wir sollen ruhig etwas dicker sein, dann lebten wir länger. Andere wiederum zweifeln das an. Mal sollen wir Vitamine zu uns nehmen, mal nicht. Hier sind sie angeblich lebensförderlich, dort bewirken sie genau das Gegenteil. Zu allem, was hier geschrieben wird, scheint es entweder eine Gegenposition zu geben, wenigstens aber ein „aber …“.